G-R-E-N-Z-E-N-L-O-S. Ein Wort aus 10 Buchstaben, 3 Silben, 3 Vokalen, 7 Konsonanten und zwei Wörtern, einem Subjekt und einem Adjektiv, übersetzbar in ca. 6500 Sprachen.

Bevor ich mich voll und ganz dem Thema „Grenzenlos“ widme, möchte ich mich kurz vorstellen. Ich bin ein 19-Jähriges Mädchen, klein, blond und braunäugig. Wie mein Mathelehrer stets zu sagen pflegte „das kleine Mädchen mit der großen Brille“. Denn auf meiner Nase balanciere ich seit ich denken kann die verschiedensten Gestelle, in jeder erdenklichen Form und Farbe. Denn mein Sehfeld ist seit ich 4 bin begrenzt, wo andere schillernde und atemraubende 3-D Filme sehen, sich zitternd an den Kinosesseln festklammern in der Angst von der immer näher kommenden Hand das Zombies ebenso erdrosselt, erdolcht, erwürgt oder erschossen zu werden, wie vor ihnen ein Dutzend anderer Hollywoodschauspieler auf der Leinwand, sitze ich meist entspannt zurückgelehnt in meinem Sessel, esse das nächste Popcorn und wundere mich über das Verhalten derjenigen, die mit mir im Kinosaal sitzen. Denn mein begrenztes Sichtfeld beinhaltet auch, dass ich Dreidimensionales nicht erkennen kann, wenn meine Augen mal wieder fröhlich durch einander kullern. Ansonsten lässt sich über mich sagen, dass ich ein aufgeschlossener, sehr toleranter Mensch bin, der gerne verreist, sich den schönen Seiten des Lebens widmet, stur wie ein Esel ist und dabei jedoch das Glas stets als halb leer betrachtet anstatt als halbvoll, um nicht von den Kehrseiten des Lebens enttäuscht zu werden. Ich bin ein wahres Organisationstalent und Meisterin in „ich mache mir viel zu viele Gedanken“. Ich möchte etwas im Leben erreichen, erschaffen oder verbessern und sehe mich mit 40 Jahren in einem kleinen Hotel an der Cote d’Azur. Im Hintergrund lila färbende Lavendelfelder und vor mir das aufbrausende türkisfarbene Meer.

Man sagt, schreibe deine Gedanken auf und finde dabei heraus wer du selber bist . Auf der Suche nach einem guten Unterthema für GRENZENLOS, habe ich mich durch das Internet gewühlt, mir Bilder angesehen, Definitionen zu Gemüte geführt und verquerte Texte von hoffnungslosen Romantikern durchgelesen, die neben der grenzenlosen Freiheit ebenso an grenzenlose Liebe, Hilfe ohne Grenzen, das Gute im Menschen, Grenzenlosigkeit im Allgemeinen und an die Verbreitung alternativer Freistaaten wie Christiana glauben, in denen die Menschen in ihrer Freizeit Marihuana und Hanf anbauen, um sich abends mit Freunden in fremde Sphären zu katapultieren.

Ich habe meine Lieblingsmusik angemacht, meine Brille noch einen kleines Stückchen höher als gewöhnlich geschoben ( für die Optimale Sicht versteht sich) , für die optimale Beleuchtung gesorgt , was für ein Zimmer welches gen Süden aus gerichtet ist, gar nicht so leicht ist, denn ab 13 Uhr, gleicht der vorhandene Lichtpegel stets einer hereinbrechenden Sonnenfinsternis, habe mir einen Kaminfeuer-Tee gekocht (mein Lieblingstee, ein Hauch Zimt, eine Prise Nelke und etwas Lebkuchengewürz ) und habe mich voll dem Thema Grenzenlos gewidmet:

Gibt es überhaupt Grenzenlosigkeit? Grenzenlose Freiheit? Ist nicht alles irgendwie begrenzt, wartet nicht an jedem Tunnel ein Ende, ein Gitter ein Zaun der uns aufhält weiterzugehen? Ist der Begriff „GRENZENLOS“ vielleicht einfach eine Aneinanderreihung von 10 Buchstaben, 3 Silben, 3 Vokalen, 7 Konsonanten, zwei Wörtern, einem Subjekt und einem Adjektiv, übersetzbar in ca. 6500 Sprachen und erfunden von einem hoffnungslosen Romantiker, der sich wissenschaftlichen Beweisen verwehrt, an die Liebe glaubt und eben auch an Grenzenlosigkeit?

Ein Kleiner Ausschnitt. Begriffsklärung. Grenzenlos:

Was ist Grenzenlosigkeit?

Duden. Zitat. Ein Abschnitt. Grenzenlos ist „(…) unendlich, bedingungslos, uneingeschränkt, maßlos, unerschöpflich, tödlich, unermesslich, gewaltig, unerhört, ungeheuerlich, nett, abgründig, unanständig, leidenschaftlich, extrem, maßlos, unbeschreiblich.“

Eine andere Definition. Ein anders Medium. Wikipedia. Zitat. Ein Ausschnitt. Grenzenlos ist „(…) grenzenlose Weite; Unendlichkeit Uneingeschränktheit.“

Ein drittes Medium. Aller guten Dinge sind Drei. wörterbuchdeutsch.com . Wörter, die wie grenzenlos anfangen: Grenzerin, Grenzdorf, Grenzdurchbruch, Grenze, Grenzerfahrung, Grenzfall, Grenzfluss, Grenzformalität, Grenzfrage.

Besagen nicht all diese Wörter, die sofort negative Assoziationen in unseren Köpfen hervorrufen, (Flüchtlinge vor einem Stacheldrahtzaun, erschossene DDR Grenzgänger, sterbende Menschen, verlassene Menschen, verwahrloste Tiere, Waisen, einsame Menschen,…) dass es so etwas wie Grenzenlosigkeit gar nicht gibt ?Ist der Begriff

GRENZENLOS“ vielleicht einfach eine Aneinanderreihung von 10 Buchstaben, 3 Silben, 3 Vokalen, 7 Konsonanten, zwei Wörtern, einem Subjekt und einem Adjektiv, übersetzbar in ca. 6500 Sprachen und erfunden von einem hoffnungslosen Romantiker, der sich wissenschaftlichen Beweisen verwehrt, an die Liebe glaubt und eben auch an

Grenzenlosigkeit ?

Eine Argumentation gegen die Grenzenlosigkeit:

Ich bin gegen Grenzen, gegen Intoleranz, gegen Rassismus, gegen Religionshass, gegen Ausgrenzung eingeschränkter Menschen und gegen die Afd. Ich bin für Flüchtlinge, für Schwarze, für Homosexuelle, für behinderte Menschen, für andere Religionen, für andere Kulturen, für die Vermischung von allem und jedem, für den kompletten Kulturverlust und für Toleranz.

Wir Menschen denken in Schubladen, können nur in Schubladen denken. Wir sortieren, selektieren, fröhlich munter, meist schon nach dem ersten Blick. Füllen unsere Schubladen mit Menschen, die wir kaum kennen. Sortieren sie nach äußerlichen Merkmalen und ersten Eindrücken. Das Volumen unser einzelnen Schubladen wächst mit ihrem Inhalt. Und landet man einmal in einer dieser Schubladen, ist es schwer, schier unmöglich, sie wieder zu verlassen. Wir Menschen schaffen Grenzen, beurteilen Dinge nach richtig oder falsch, drücken unschuldigen Menschen unsern Stempel auf und haben ständig Angst uns selbst zu verlieren. Wir bauen Zäune um zu verhindern, dass Eindringlinge unsere kleine Welt in der wir Leben durcheinanderbringen, wir schaffen Gesetzte, um zu verhindern, dass fliehende Menschen bei uns aufgenommen werden können und wiederum andere Gesetze, um zu verhindern, dass unsere Partner nach der Scheidung mit unserem gesamten Geld durchbrennen können. Wir gründen Vereine und Clubs mit hohen Beiträgen, um unter unser Gleichen zu sein. Wir schlüpfen in weiße Blusen, Segelschuhe und Chinohosen, um zu zeigen wer wir sind oder viel mehr wer wir sein wollen. Wir brennen Container ab und verhindern die Rodung von Wäldern, um zu verhindern, dass uns bei unserem morgendlichen Spaziergang durchs Dorf ein andersfarbiger Mensch den Weg kreuzen könnte. Wir wählen die Afd, um zu verhindern, dass sich das Morgenland in das Abendland verwandelt und nehmen dabei Schussbefehle an den Grenzen auf Mütter und Kinder kompromisslos in Kauf.

Wir schaffen die Grenzen. Nicht der Staat. Aus ständiger Angst unsere Identität, unsere Zugehörigkeit, unseren Job, unser Geld, unseren Besitz und unsere Kultur zu verlieren, fordern wir Grenzen. Grenzen die Gefahren ausschließen, uns beschützen und uns ein Gefühl von Sicherheit und Beständigkeit geben, um uns selbst zu verwirklichen. Dabei verlieren wir den Blick für die Dinge die hinter unseren Grenzen liegen, vor unseren Zäunen stehen und wahrgenommen werden wollen. Die auch ein Recht haben wollen ihren Traum zu leben. Wir leben in unserer Seifenblase und fühlen uns bedroht von anders denken Menschen oder Menschen die anders aussehen. Wir stecken sie in unsere Schubladen und schaffen sie somit aus unserem Sichtfeld. Wir assoziieren automatisch. Ausländer sind gefährlich, klauen, und vergewaltigen. Moslems haben in ihrem Koffer immer eine Bombe, stark geschminkte Menschen sind eingebildet und arrogant, reiche Menschen sind gierig und abgehoben, bekannte Persönlichkeiten sterben mit 40 in Folge jahrelanger Drogenexzesse, Behinderte sind Faulenzer und Versager und um Homosexuelle machen wir generell einen Bogen. In Neuen und anderen Dingen sehen wir stets Gefahren und unsere innerliche Angst treibt uns an, unsere Grenzen zu verstärken und unsere Zäune zu erneuern.

Doch wäre es so schlimm, wenn wir es zulassen würden, wenn ein kleines Loch in unseren Zaun gerät? Ist es so schwer dieses kleine Loch nicht als Gefahr, sondern als Herausforderung und Bereicherung oder gar als Gewinn zu sehen? Wäre es so schlimm, wenn wir unseren sicheren Weg verlassen, unseren starren Blick nach vorne auch einmal nach rechts oder links schweifen lassen würden? Wäre es so schlimm, wenn man im Restaurant neben dem traditionellen Schnitzel auch Köfte oder gefülltes Fladenbrot mit Hummus bestellen könnte? Wäre es so unerträglich, wenn unsere Kinder von einer Lehrerin mit Kopftuch unterrichtet werden? Ist es wirklich unmöglich, mit dem Schwulen Cousin weiterhin Weihnachten oder Ostern zu feiern? Ist es so verwerflich sich mit einem Behinderten Menschen über Gott und die Welt auszutauschen? Ist es wirklich gefährlich, wenn neben den deutschen Kirchenliedern auch einmal ein englisches Lied die Münder der Leute erfüllt? Ist es wirklich undenkbar, dass unser Kanzler einmal schwarze Haut haben könnte? Ist es nötig, den Kontakt zu seiner Tochter abzubrechen, weil sie einen anders gläubigen Menschen heiraten will?

Warum?

Wir Menschen sind nicht grenzenlos, wir ziehen Grenzen, um uns von anderen Menschen abzugrenzen, wir ziehen Grenzen um uns selbst zu beschreiben und wir ziehen Grenzen aus Angst. Werden aus Angst zum Angstmacher und flicken das noch so kleinste Loch im Zaun.

Der Begriff „GRENZENLOS“ ist eine Aneinanderreihung von 10 Buchstaben, 3 Silben, 3 Vokalen, 7 Konsonanten, zwei Wörtern, einem Subjekt und einem Adjektiv, übersetzbar in ca. 6500 Sprachen und erfunden von einem hoffnungslosen Romantiker, der sich wissenschaftlichen Beweisen verwehrt, an die Liebe glaubt und eben auch an Grenzenlosigkeit.